MusiktheorieTonleitern

Neben Dur- und Moll-Tonleitern gibt es noch unzählige weitere. Was viele nicht wissen: Dur und Moll haben sich erst vor vergleichsweise kurzer Zeit aus den sogenannten “Kirchentonarten” herauskristallisiert. Und es lohnt sich durchaus, einen Blick auf die unterschiedlichen Tonleitern zu werfen. Nicht alle der hier aufgeführten Tonleitern sind immer nützlich. Aber es lohnt sich durchaus, von Zeit zu Zeit mal ein wenig über den Tellerrand zu blicken und sich speziell an die Melodiearbeit auf Basis...

Neben Dur- und Moll-Tonleitern gibt es noch unzählige weitere. Was viele nicht wissen: Dur und Moll haben sich erst vor vergleichsweise kurzer Zeit aus den sogenannten “Kirchentonarten” herauskristallisiert. Und es lohnt sich durchaus, einen Blick auf die unterschiedlichen Tonleitern zu werfen. Nicht alle der hier aufgeführten Tonleitern sind immer nützlich. Aber es lohnt sich durchaus, von Zeit zu Zeit mal ein wenig über den Tellerrand zu blicken und sich speziell an die Melodiearbeit auf Basis einer solchen Tonleiter zu machen. Ionisch ist übrigens die Dur-Tonleiter und äolisch die Moll-Tonleiter. Aber viele charakteristische Songs sind beispielsweise unter Zuhilfenahme der dorischen Tonleiter oder der Pentatonik entstanden.

Werfen wir nun einen Blick auf die unterschiedlichen Kirchentonleitern und die anderen häufig in der Pop- und Rockmusik verwendeten Tonleitern.

Ionische Tonleiter (Dur-Tonleiter)

Die ionische Tonleiter ist die Erste der 7 Kirchentonarten. Ihre Töne entsprechen den weißen Tasten der Piano-Klaviatur, wenn man bei C beginnt. Die Halbtonschritte befinden sich zwischen dem dritten und vierten Ton und zwischen dem siebten und achten Ton.

Wenn Du gut aufgepasst hast, wird Dir schon aufgefallen sein, dass die ionische Kirchentonart der Dur-Tonleiter zu 100% entspricht. Das stimmt. Denn die heute so bekannte Dur-Tonleiter entstand aus der ionischen Kirchentonart.

Sie klingt: Eher positiv, fröhlich, beschwingt

Familiäre Akkorde: Dur, maj7

 

Dorische Tonleiter

Die dorische Tonleiter ist die Zweite der 7 Kirchentonarten. Durch die kleine Terz zwischen Grundton und der dritten Note, entsteht ein Mollcharakter. Sie ist allerdings nicht die “normale” Molltonleiter, da ihr sechster Ton einer großen Sexten (anstatt einer kleinen Sexten entspricht).

Die dorische Kirchentonart findet in der Popmusik zum Beispiel Verwendung im Song “Mad World” von Tears for Fears (später gecovert von Gary Jules), “Billy Jean” von Michael Jackson oder “Another Brick in the Wall” von Pink Floyd. Ebenso ist sie häufig in Volksliedern aus dem United Kingdom wie “Scarborough Fair” verwendet worden.

Sie klingt: Eher melancholisch, ein wenig traurig, ein Hauch von etwas Mysteriösem

Familiäre Akkorde: Moll, Moll7

Phrygische Tonleiter

Die phrygische Tonleiter ist die Dritte der 7 Kirchentonarten. Durch die zum Grundton kleine Terz, kleine Sexte und kleine Septime besteht ein ausgeprägter Mollcharakter. Die kleine Sekunde zum Grundton gibt dem allen einen orientalischen/ mittel-östlichen Hauch. Sie ist eng mit der spanischen / jüdischen Tonleiter verwandt.

Verwendet wird die phrygische Tonleiter unter anderem in “Wanna Be Starting Something” von Michael Jackson, “White Rabbit” von Jefferson Airplane und vielen Songs von Metallica.

Sie klingt: Eher melancholisch, orientalisch, mittel-östlich

Familiäre Akkorde: Moll, Moll7

Lydische Tonleiter

Die lydische Tonleiter ist die Vierte der 7 Kirchentonarten. Durch die große Terz zwischen Grundton und der dritten Note, entsteht ein Durcharakter. Der einzige Unterschied besteht darin, dass die Quarte vom Grundton aus gesehen übermäßig ist – also vom Grundton aus ein Tritonus entsteht.

Sie kann zum Beispiel als Ersatz für die ionische Tonleiter verwendet werden, wenn man etwas Abwechslung und Spannung in seine Komposition bringen möchte.

Sie klingt: Wie Dur, beschwingt und doch durch die übermäßige Quarte anders

Familiäre Akkorde: Dur, maj7

Mixolydische Tonleiter

Die mixolydische Tonleiter ist die Fünfte der 7 Kirchentonarten. Eine große Terz zwischen Grundton und der dritten Note gibt ihr einen Durcharakter. Die siebte Note ist eine kleine Septime, statt einer großen Septime (wie in der ionischen/ Dur-Tonleiter).

Durch die Verwendung der kleinen Septime findet sie oft Verwendung im Bereich des Blues aber auch in der Rock- und Popmusik. Bevorzugt immer dann, wenn Akkorde mit kleiner Septime vorkommen.

Sie klingt: Wie Dur, beschwingt, die kleine Septime gibt ihr etwas “Cooles”.

Familiäre Akkorde: Dur, Dur mit kleiner Septime

Aeolische Tonleiter (Moll-Tonleiter)

Die aeolische Tonleiter ist die Sechste der 7 Kirchentonarten. Sie entspricht zu 100% der Moll-Tonleiter und ist neben der ionischen, also der herkömmlichen Dur-Tonleiter, die am häufigsten verwendete.

Die kleine Terz zum Grundton sorgt für den typischen Mollklang, die kleine Sexte und Septime unterstützen die eher melancholische Stimmung.

Sie klingt: Melancholisch, traurig, düster

Familiäre Akkorde: Moll, Moll mit kleiner Septime

Lokrische Tonleiter

Die lokrische Tonleiter ist die Siebte der 7 Kirchentonarten. Sie wird hier eher der Vollständigkeit halber erwähnt, da sie in der Popmusik Praxis nur sehr selten vorkommt.

Durch die verminderte Quinte umfasst die lokrische Tonleiter Töne für verminderte Harmonien, was von Zeit zu Zeit hilfreich sein kann. Insbesondere, wenn man sich mit Songwriting im Jazzbereich auseinandersetzt.

Sie klingt: Etwas melancholisch, etwas “unvollständig” / nach Auflösung strebend

Familiäre Akkorde: Moll mit verminderter Quinte und kleiner Septime

Pentatonik – Fünf-Ton-Tonleiter

Unabhängig von den Kirchentonleitern gibt es auch noch weitere. Eine der grundsätzlichsten und ältesten ist dabei die Pentatonik. Sie besteht lediglich aus fünf Tönen und passt sehr gut in eine Vielzahl von Akkordfolgen.

Die Pentatonik wird sehr, sehr häufig in der Popmusik verwendet. Aber ebenso in der Klassik, im Jazz und im Blues. Das bekannte Riff von “My Girl” der Temptations aus den 1960er Jahren ist sogar eins zu eins die pentatonische Tonleiter.

Sie klingt: Je nach harmonischem Umfeld anders

Familiäre Akkorde: Praktisch alle

Spanische / jüdische Tonleiter

Die spanische/ jüdische Tonleiter ist eine leichte Abwandlung der phrygischen Tonleiter. Sie umfasst das gleiche Tonspektrum mit Ausnahme der großen Terz zum Grundton, die bei der phrygischen Tonleiter eine kleine Terz ist. Dadurch verliert die spanische / jüdische Tonleiter ihren Mollcharakter zugunsten eines “orientalischen” Touches.

Sie wird oft in der spanischen Musik (Flamenco) und in der jüdischen Musik verwendet und ist ideal geeignet, um eigenen Kompositionen einen orientalischen oder andalusischen Touch zu geben.

Sie klingt: Orientalisch, leidenschaftlich

Familiäre Akkorde: Wie mixolydisch, jedoch mit kleiner 9 und kleiner 13

Zigeuner Moll

Die sogenannten Zigeuner-Tonleitern zeichnen sich nicht gerade durch ihre politisch korrekten Bezeichnungen aus, sind aber darunter seit Jahrhunderten bekannt. Wie der Name schon vermuten lässt, finden sie vorwiegend im Kulturkreis der Sinti und Roma Verwendung. Manchmal nennt man diese Tonleiter heutzutage auch ungarische Tonleiter.

Diese Tonleiter verfügt über einen orientalischen Klang. Etwas leicht mystisches. Durch die kleine Terz zum Grundton entsteht ein Mollcharakter und eine Unterscheidung zwischen Zigeuner Moll und Zigeuner Dur.

Sie klingt: Orientalisch, mystisch

Familiäre Akkorde: Moll mit übermäßiger Quarte und großer Septime

Zigeuner Dur

Auch das Zigeuner Dur zeichnet sich durch einen orientalischen Klang aus. Im Gegensatz zum Zigeuner Moll hat es eine große Terz zum Grundton und ist daher näher an der ionischen Tonleiter. Eine kleine Sekunde und eine kleine Sexte sorgen für den typisch orientalischen Klang.

Sie klingt: Orientalisch, mystisch

Familiäre Akkorde: Dur mit kleiner Sexte und kleiner None

Blues-Tonleiter

Auch der Blues hat spezielle Tonleitern geprägt: Die Bluestonleitern. Die bekannteste ist die hier aufgeführte, die im Wesentlichen auf der Mollpentatonik aufbaut, jedoch noch eine verminderte Quinte enthält. Charakteristisches Merkmal sind die sogenannten “Blue Notes”. Dabei handelt es sich um die kleine Terz, die verminderte Quinte und die kleine Septime. Diese Blue-Notes werden im Blues allerdings nicht exakt intoniert, sondern eher nach Gefühl zwischen zwei Noten.

Sie klingt: Cool, “bluesig”

Familiäre Akkorde: Moll mit kleiner Septime

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