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Für viele Musiker gibt es nichts Schöneres, als von ihrer Musik leben zu können. Multimillionäre in der Musikindustrie und das vermeintlich schöne Leben als Promi sorgen nicht nur jedes Jahr verlässlich dafür, dass die Castingshows von hoffnungsfrohen Kandidaten überfüllt werden, sondern sorgen auch für einen enormen Umsatz in der Musikbranche. Gemeint ist hierbei nicht jene, die Platten verkauft. Denn diese ist schon seit einer ganzen Weile durch Streaminganbieter getroffen. Mit dem “Verkauf” von Musik macht...

Für viele Musiker gibt es nichts Schöneres, als von ihrer Musik leben zu können. Multimillionäre in der Musikindustrie und das vermeintlich schöne Leben als Promi sorgen nicht nur jedes Jahr verlässlich dafür, dass die Castingshows von hoffnungsfrohen Kandidaten überfüllt werden, sondern sorgen auch für einen enormen Umsatz in der Musikbranche. Gemeint ist hierbei nicht jene, die Platten verkauft. Denn diese ist schon seit einer ganzen Weile durch Streaminganbieter getroffen. Mit dem “Verkauf” von Musik macht man heutzutage kein Geld mehr. Aber auch Hersteller von Musiksoftware wie DAWs, Plugins und andere Dienstleister verdienen am Traum des Musiker-Lebens mit.

Einer dieser Anbieter ist Taxi.com – und auf diesen gehen wir in diesem Artikel auf Musikwissen ein. Denn wir haben ihn umfangreich getestet und unser ganz eigenes Bild von Taxi.com gemacht. Hier werfen wir also einen Blick auf das Angebot und die Kosten des Anbieters. Und wir versuchen festzustellen, ob sich das Angebot für Musiker lohnt oder ob hier eher Vorsicht angesagt ist.

Was ist Taxi.com?

Taxi.com steht schon seit vielen Jahren am Markt zur Verfügung. Das Unternehmen bezeichnet sich als unabhängigen A&R Service. A&R steht für Artist & Repertoire und bezeichnet die “Talentsucher” der Plattenfirmen und Musikverlage. Das Konzept ist auf dem Papier denkbar einfach: man zahlt eine jährliche Pauschale, um Teil von Taxi.com zu sein.

Taxi.com steht im Kontakt mit Firmen, die nach Songs suchen, um diese beispielsweise bei Popstars oder TV-Shows zu verwenden. Diese Opportunities werden regelmäßig an Mitglieder – und auch Nicht-Mitglieder rausgesendet. Denkt man dann, dass man einen passenden Song für eine Opportunity vorliegen hat, kann man diesen gegen 5,00 USD auf Taxi.com hochladen.

Dort wirft dann einer der unabhängigen A&Rs einen Blick auf den Song und bewertet, ob dieser für die Opportunity infrage kommt. Tut er dies nicht, so erhält man zumindest ein kurzes Feedback, warum dies nicht geschehen ist. Falls er jedoch passt, wird er laut Taxi.com an die entsprechende Firma weitergeleitet und dort auch angehört, da die Firmen (laut eigenes Aussage) von der hohen Qualität der Taxi.com Songs begeistert sind.

Taxi.com selbst partizipiert beim Vertragsabschluss nicht. Das heißt, es müssen keine Anteile der Einnahmen oder sonstige Tantiemen oder Kosten an Taxi.com abgegeben werden. Selbst dann, wenn man einen Multi-Millionen Deal landet. In der Theorie ein gutes Konzept.

Wie seriös ist Taxi.com?

Was auf den ersten Blick ganz toll klingt und es sicherlich für den einen oder die andere verlockend macht, das Geld locker zu machen und den wirklich nicht gerade günstigen Jahresbeitrag für Taxi.com zu bezahlen, sollte aber auch kritisch hinterfragt werden. Darum behandeln wir hier einige Punkte, die die Seriosität von Taxi.com angehen.

Existieren die Oppporunities überhaupt?

Denn problematisch wird dieses gutklingende Konzept dann, wenn der Verdacht aufkommt, dass möglicherweise nicht alle Opportunities auch tatsächlich real sind. Schließlich hat man als Musiker oder zahlendes Mitglied von Taxi.com keine Chance herauszufinden, ob die Verwertungsmöglichkeiten auch tatsächlich existieren. Gleichzeitig bezahlt man für jede Einreichung Geld. Das Unternehmen verdient also daran, dass man seine Songs bei ihm einreicht. Und was ist in dieser Konstellation das Hauptinteresse von Taxi.com? Den Deal zu vermitteln? Oder dafür zu sorgen, dass man möglichst häufig der Meinung ist, dass die eigene Musik eine Chance hat und diese dann einreicht? Vermutlich eher die zweite Option.

Ein weiterer Filter im Entscheidungsprozess

Ein weiteres Problem ist, dass man durch Taxi.com einen zweiten A&R in die Entscheidungsfindung miteinbaut. Gerade bei Musik hängt auch vieles von persönlichem Geschmack, Risikobereitschaft und momentaner Stimmung des “Talentsuchers” ab. Ist also vor dem eigentlich entscheidenden A&R noch ein weiterer Filter vorgeschaltet, erhöht dies nicht gerade die eigenen Chancen auf Erfolg.

In unserem Test haben wir selbst Songs eingereicht und das Feedback war leider nicht befriedigend. So wurde uns empfohlen, ein VST oder einen “Rompler” zu verwenden. Etwas verwirrend, schließlich handelte es sich um VSTs im Wert von knapp 1.000,00€, die beim entsprechenden Song verwendet worden sind. Und dies sollte ein geschultes Ohr schon raushören können. Es sei denn, man lehnt erstmal lieber ab, um über die 5,00 USD pro eingereichtem Song, das eigene Einkommen ein wenig zu erhöhen. Oder man ist eben doch nicht so extrem gut, wie man es gerne darstellt. Hierzu haben wir auch im Mitgliederforum von Taxi ein interessantes Beispiel gefunden. Doch mehr dazu unter der Überschrift “Hat die Aktivität in der Community einen Einfluss auf die Weiterleitungen?”.

Sollte man als Musiker für sowas Geld zahlen?

Dann gibt es natürlich noch den Einwand, dass man als Musiker kein Geld dafür zahlen sollte, dass die eigenen Songs angehört werden. Als Musiker und Komponist trägt man schon genug des unternehmerischen Risikos. Wenn man einen Song schreibt, sollten die Firmen, die Interesse an einer Verwertung haben, auch dazu bereit sein, sich die Werke anzuhören. Und das, ohne dass dem ohnehin schon benachteiligtem Musiker noch Kosten dafür aufzubürden. Solche Konzepte erinnern ein wenig an die altbekannten “Spielt doch kostenlos in meinem Club, so erhaltet ihr Reichweite und viele tolle Fans!”-Angebote, die vermutlich jeder Musiker kennt.

Als Musiker leistet man auch eine Arbeit. Und wenn ein Song einschlägt, verdienen die Musikfirmen einen Großteil der Profite. Somit ist es eigentlich ganz einfach: Musikfirmen sollten das unternehmerische Risiko tragen und nicht die Musiker. Und wer Songs verwerten möchte, muss sich wohl oder übel damit abfinden, dass die Musiker nicht auch nicht dafür bezahlen werden, dass man sich ihre Songs anhört.

Das meiste kann man eh ohne Taxi.com unterbringen

Was außerdem ins Auge sticht, ist, dass die Opportunities, die Taxi.com präsentiert, den Anschein haben, für Produktionsmusikkataloge zu sein. Hierbei handelt es sich um Archive von Musikverlagen, die Songs für Fernseh- und Filmproduktionen vorhalten. Ein wenig, wie die vielen Stockmusic-Seiten. Nur eben, dass hier die Komponisten in aller Regel Mitglied einer Verwertungsgesellschaft sind. Ein Unterscheidungsmerkmal, das mittlerweile auch bei den meisten Stockmusic-Sites nicht mehr existiert, da man mittlerweile auch dort in einer Verwertungsgesellschaft wie der GEMA sein kann.

Wählt man jedoch einen der großen Kataloge für Production Music, so kann es sein, dass man von sich behaupten kann, dass man bei einem großen Namen wie Universal unter Vertrag ist. Allerdings ist man dort eben im Produktionsmusikkatalog. Soll heißen: der Song liegt bei denen rum und sie halten die Verlagsrechte daran. Wenn ein Medienschaffender sich dazu entscheidet, deinen Song zu verwerten, streichen die Musikunternehmen eine Pauschale für das Bereitstellen des Songs ein. Der Musiker erhält davon normalerweise nichts oder nur einen kleinen Anteil. GEMA-Einnahmen, die durch die Nutzung entstehen, sollen für dessen Auskommen sorgen.

Davon erhält der Musikverlag aber ebenfalls einen Anteil. Liegt dein Song bei den Musikproduktionskatalogen hingegen nur ungenutzt rum, tut’s denen aber auch nicht weh. Schließlich zahlen sie dir nichts dafür. In einen derartigen Katalog zu gelangen ist verständlicherweise nicht sonderlich schwer, wenn man Songs produzieren kann, die professionell klingen. Für sowas braucht man also mit Sicherheit keinen Cent an Anbieter wie Taxi.com zu bezahlen. Man muss nur wissen, dass Produktionsmusik – oder auf englisch: Production Music – existiert und dann danach googlen und schon kann man sich ganz einfach mit seinen Demos bewerben.

Hat die Aktivität in der Community einen Einfluss auf die Weiterleitungen?

Wie bereits eingangs erwähnt, bietet Taxi.com mit seiner Mitgliedschaft auch ein Forum an. Der Gründer der Firma nennt seine Mitglieder auch die “Taxi-Sekte” (im Original “Taxi Cult”) und legt allen Mitgliedern ans Herz, sich rege im Forum zu beteiligen. Außerdem existiert auch das (auch für Nichtmitglieder empfängliche) Taxi-TV. Die Intransparenz bei den Opportunities und der Weitergabe der bezahlten Einreichungen lässt natürlich die Frage zu, ob die Aktivität in den Foren einen Einfluss darauf hat, ob die eigenen, kostenpflichtig eingereichten Songs überhaupt an die Musikfirmen weitergeben werden oder nicht?

Schließlich kann so ein Forum ganz schnell eine eigene Dynamik entwickeln. Was in diesem Zusammeenhang nämlich etwas seltsam wirkt ist, dass bei Taxi-TV regelmäßig Forenmitglieder auftauchen, die gerade mal wieder irgendein Buch geschrieben haben, wie man dies oder jenes musikalisch macht. Dies kann natürlich daran liegen, dass diese Mitglieder ganz besonders begabt sind. Andererseits aber auch, dass die “Taxi-Sekte” eben ihre “berühmten” Mitglieder hat, die dann gemeinsam mit Taxi.com ihre Bücher an die “Mitglieder der unteren Ränge” verkaufen, um auch wenig was an den Wünschen und Hoffnungen der aufstrebenden Musiker zu profitieren.

Was wir ganz interessant fanden, war ein Eintrag im Forum, in dem ein langjähriges Mitglied der Meinung war, dass sich Taxi.com wie ein Betrug anfühle. Dieses Mitglied hatte sich erst neu im Forum angemeldet und wurde darauf hin von der “Taxi-Sekte” mit Kritik überschüttet. Im Laufe der Diskussion stellt sich heraus, dass das Mitglied (laut eigenen Angaben bereits seit 11 Jahren) bereits einige Verträge in Musikkatalogen abschließen konnte und mit einigen ziemlich bekannten Acts aufgetreten ist. Bloß kam eben keiner dieser Verträge durch Taxi.com zustande. Interessant sind hier zwei Dinge.

Die musikalische Identität des Mitglieds wird durch ein besonders aktives Forenmitglied veröffentlicht. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Der andere Punkt, der ins Auge springt, ist, dass das Mitglied offenbar gute Musik macht und durch Eigeninitiative an Verträge gelangt ist, nicht jedoch über Taxi und dass es zuvor nicht im Forum tätig war. Gleichzeitig stößt es zumindest uns bitter auf, wenn eine Horde an “Fanboys und -girls” eine legitime Feststellung derart hart angeht. Vielleicht trifft die Bezeichnung “Taxi-Sekte” doch mehr zu, als man zunächst denken mag.

Was kostet Taxi.com?

Wie gesagt kostet Taxi.com pro Jahr 295 USD. Will man dann verlängern, so kostet dies pro weiteres Jahr 195 USD. Hierfür erhält man Zugriff zu einem Forum. Darin befinden sich andere Taxi Mitglieder, mit denen man sich dann unterhalten kann. Zusätzlich hat man dann die Möglichkeit, seine Songs für die unterschiedlichen Angebote/ Opportunities hochzuladen, was erneut 5,00 USD pro Upload kostet.

Taxi.com zeigt auf seiner Seite übrigens an, dass man volle 365 Tage eine Geld-zurück-Garantie hat. Will man diese jedoch nutzen, stellt man schnell fest, dass es einem sehr schwer gemacht wird, sein Geld wieder zurückzuerhalten. So wird dann nämlich beispielsweise erwartet, dass man die Anfrage per Briefpost stellen muss, was natürlich in die USA schon ein wenig mehr kostet. Blöd ist, dass Taxi.com bei einem Brief natürlich immer behaupten kann, dass dieser einfach nicht oder nicht rechtzeitig angekommen sei. Will man also über die unterschiedlichen Online-Briefversender einen Brief mittels Einschreiben innerhalb der USA versenden, so fallen Beträge von etwa 40 USD an. Gleichzeitig kann man dann nie wieder Mitglied bei Taxi.com werden … welch ein Verlust.

Was uns besonders bitter aufstößt, ist, dass man praktisch alles bei Taxi online erledigen kann. Man meldet sich online an. Man reicht seine Songs online ein. Man nimmt online im Forum teil. Und schaut online Taxi-TV. Gefällt es einem aber nicht, so muss man dies schriftlich einreichen. Bei uns kommt daher die Vermutung auf, dass man es so erschweren will, dass Mitglieder von diesem Recht Gebrauch machen. Das ist schade und wirft aus unserer Sicht kein gutes Licht auf Taxi.com.

Interessant ist übrigens auch, dass man regelmäßig vergünstigte Angebote erhält und so für 195 USD reinkommt. Etwas unfair gegenüber all jenen, die sich für den vollen Preis angemeldet haben. Aber gut, so ist das halt. Wenn du dich also entgegen unserer Empfehlung dazu entschließen solltest, dich bei Taxi.com anzumelden, warte lieber ab, bis es nur 195 USD kostet. So sparst du dir wenigstens 100 USD.

Unser Fazit zu Taxi.com

Musikwissen rät derzeit eindeutig von der Nutzung des Angebots von Taxi.com ab. Unsere negativen Taxi.com Erfahrungen haben wir oben erläutert. In erster Linie stört uns, dass man nicht weiß, ob es die angebotenen Song-Opportunities überhaupt gibt, ob die eigenen Songs auch wirklich weitergeleitet werden, dass man eine weitere Filterstufe hinzufügt, bei der man nicht mal weiß, ob das eigene Verhalten innerhalb der Taxi.com-Community darauf einen Einfluss hat.

Hinzu kommt, dass Taxi.com keinen echten Anreiz hat, deine Songs zu vermitteln, sondern sein Geld damit verdient, dass du dir im Forum eine Reputation und Freundschaften aufbaust und somit lange Mitglied bleibst und die jährlichen Beiträge zahlst. Und andererseits natürlich viele Songs dort einreichst und jeweils die 5,00 USD zahlst.

Da gibt es deutlich bessere, erfolgversprechende und einfachere Wege, um seine Musik an den Mann und die Frau zu bringen. Und da sowohl Gründer, als auch die Mitglieder sich so gerne als “Taxi-Sekte” bezeichnen, sollte man eines im Hinterkopf behalten: In Sekten kommt man immer sehr leicht rein und darf dann für viel heiße Luft bezahlen. Unbeschadet wieder raus zu kommen ist da schon schwieriger.

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