MusikbusinessWas ist die IFPI / Bundesverband Musikindustrie?

IFPI steht für International Federation of the Phonographic Industry und ist der Weltverband der Musikwirtschaft. Das Hauptquartier liegt in London, allerdings haben die meisten Länder eigene Landesverbände gegründet, die auf internationaler Ebene zusammenarbeiten. Neben der IFPI e.V. gibt es noch den Bundesverband der phonographischen Wirtschaft e.V.. Musikwissen.com taucht tiefer in das Thema ein. Was sind die Vorteile? Solltest Du ein Mitglied werden?     Inhalte in diesem Artikel Warum überhaupt ein Branchenverband?Öffentlichkeitsarbeit und LobbyismusHandelsanbindungISRC-CodeRahmenvertrag mit...

IFPI Bundesverband MusikindustrieIFPI steht für International Federation of the Phonographic Industry und ist der Weltverband der Musikwirtschaft. Das Hauptquartier liegt in London, allerdings haben die meisten Länder eigene Landesverbände gegründet, die auf internationaler Ebene zusammenarbeiten. Neben der IFPI e.V. gibt es noch den Bundesverband der phonographischen Wirtschaft e.V.. Musikwissen.com taucht tiefer in das Thema ein. Was sind die Vorteile? Solltest Du ein Mitglied werden?

 

 

Warum überhaupt ein Branchenverband?

Die einzelnen Unternehmen innerhalb der Musikbranche konkurrieren miteinander, haben aber doch die gleichen Gegner außerhalb der Branche. Gegner, wie zum Beispiel Raubkopierer, Filesharer und andere Bedrohungen für die Musikbranche. Ein einzelnes Unternehmen hätte im Kampf gegen solche Bedrohungen, relativ geringe Chancen. Darum verbündet man sich, legt finanzielle Mittel zusammen, stellt eine größere Gruppe dar und kann daher auch mehr Einfluss ausüben. Darüber hinaus kümmert sich ein Branchenverband, natürlich auch um seine Mitglieder. Das heißt er sorgt für Öffentlichkeitsarbeit der Branchensparte, er versucht seinen Mitgliedern zu helfen was rechtliche Fragen anbelangt, er ermittelt Umsatzzahlen und vertritt seine Mitglieder als mächtige Einheit. Das alles sind Gründe, die für einen Branchenverband sprechen.

 

 

Öffentlichkeitsarbeit und Lobbyismus

Zunächst betreiben die Phonoverbände als Wirtschaftsvereine natürlich in erster Linie Öffentlichkeitsarbeit, sorgen für einheitliche Spielregeln- z. B. in Fällen in denen es keinen Grund für eine gesetzliche Regelung gibt (vgl. Regelungen zur Vergabe von “Goldenen Schallplatten” oder die einheitliche, objektive Ermittlung von “offiziellen” Verkaufscharts).

Du kannst Dir also jederzeit eine eigene goldene Version der Schallplatte herstellen oder herstellen lassen und sie Dir an die Wand hängen. Das kann Dir niemand verbieten. Die einzige Folge wäre, dass Du keine Goldene Schallplatte, gemäß den Richtlinien der IFPI e. V. beziehungsweise des Bundesverbands der phonographischen Wirtschaft e.V. hättest.

Daneben ist eines der wichtigen Betätigungsfelder der Bundesverbände der phonographischen Wirtschaft der Lobbyismus und der Einfluss auf Politik und öffentliche Meinung. Es waren in erster Linie die Branchenverbände, die die Politik auf Missstände im Urheberrecht und bezüglich der Rechtslage, was Internettauschbörsen und Raubkopiererei angeht, aufmerksam gemacht haben.

Die Bündelung von finanziellen Kapazitäten und dem Einfluss einzelner Unternehmen und Personen, zur Interessenvertretung der Musikwirtschaft sind also ein weiterer wichtiger Baustein des Aufgabenfeldes der Bundesverbände der phonographischen Wirtschaft.

 

 

Handelsanbindung

Mit der Gründung der Phononet GmbH und dem Portal Musicline.de ist den Phonoverbänden in den 1990er Jahren ein enormer Wurf gelungen. Wir werden uns im Rahmen anderer Lektionen die Phononet GmbH und das Musikportal Musicline.de genauer anschauen. Diesbezüglich sei bemerkt, dass die Bundesverbände hier für eine einheitliche Vertriebsstruktur innerhalb der Musikbranche gesorgt haben.

Darüber hinaus werden die offiziellen Musikcharts durch die Media Control im Auftrag und auf Kosten der Bundesverbände der phonographischen Wirtschaft durchgeführt. Sie steht auch mit der Handelsanbindung im Zusammenhang.

 

 

ISRC-Code

Die IFPI vergibt den sogenannten ISRC-Code. ISRC steht für International Standard Recording Code und ist eine 12-stellige, digitale Kennung für einen CD-Titel, die auf einer Datenspur der Audio CD geschrieben wird und die Abrechnung mit der GVL erleichtern soll.

Wie wir bereits wissen, werden in aller Regel die GVL-Tantiemen, die aus der Zweitverwertung der Rechte der ausübenden Künstler entstehen, über den kostenlos von der GVL zu erhaltenden Labelcode abgerechnet. Dies erfordert seitens desjenigen der abrechnet allerdings einen erhöhten Verwaltungsaufwand. Da Radio- und Fernsehstationen dem gerne entgehen würden, nutzen Sie die Abrechnung über den ISRC-Code.

Der ISRC-Code wird wie gesagt von der IFPI vergeben und digital mit dem Lied in Verbindung gebracht. Wird eine CD nun also beim Radio oder Fernsehen ausgelesen, so wird auch automatisch der ISRC-Code mitprotokolliert. Die Abrechnung kann so automatisiert erfolgen und erfordert nicht mehr so viel Verwaltungsaufwand und damit auch weniger Verwaltungskosten. Da Radiostationen im Besonderen sehr oft die Titel von CDs ist in eigenen digitalen Datenbanken speichern, wird auch der ISRC-Code automatisch mitgespeichert.

Der ISRC-Code dient der Abrechnung mit der GVL. Das heißt, es geht hier nicht um die Komposition, sondern um die Aufnahme. Wenn also ein und derselbe Song von unterschiedlichen Bands aufgenommen wird, so wird jede Aufnahme einen eigenen ISRC-Code bekommen. Wird jedoch die gleiche Aufnahme einer Band einmal auf der Single, einmal auf dem Album und einmal in einer Compilation verwendet, so bleibt der ISRC-Code gleich.

Den ISRC-Code kannst Du entweder in Deinem eigenen Audiobearbeitungs- oder CD-Brennprogramm einbringen oder Du kannst es in Auftrag geben, wenn Du Deine CD premastern oder mastern lässt.

 

 

Rahmenvertrag mit der GEMA

Die Phonoverbände sind natürlich auch gegenüber der GEMA – also der Vertreterin der finanziellen Interessen der Urheber- in einer mächtigen Position. Zunächst einmal sind sie Großabnehmer von urheberrechtlich geschütztem Material und des weiteren professionelle Firmen, die nicht nur ein einziges Mal eine CD herausbringen, sondern andauernd in hohen Auflagen und daher der GEMA auch langfristige Einnahmen sichern.

Dies sind die Gründe, warum die Phonoverbände mit der GEMA einen eigenen, vergünstigten Vergütungssatz für das Kopieren beziehungsweise die Pressung von CDs verhandelt haben. Falls Du also Mitglied in der IFPI bist, kommst Du in den Genuss ermäßigter GEMA Gebühren für die Pressung von CDs. Dies kann ein enormer Geldvorteil sein, auch zum Beispiel im Vergleich zu den Mitgliedsgebühren der Phonoverbände, die im Vergleich zu anderen Branchenverbänden recht hoch sind.

Tendenziell kann man behaupten, dass es sich für große und etablierte Plattenfirmen eher rentiert, Mitglied in einem der Phonoverbände zu sein, als für Independent Plattenfirmen, oder Start-ups.

 

 

Umsatzermittlung und Auswertung

Auch die Umsatzzahlen der Musikindustrie werden zentral bei den Phonoverbänden gesammelt, erörtert und veröffentlicht.

Diese Umsatzzahlen können ein gutes und wichtiges Indiz sein, um zu überprüfen, ob man in einer Nische oder in einem Nischenmarkt potenziell erfolgreich sein kann. Die Umsatzzahlen dienen darüber hinaus natürlich auch als wichtiger Informationsfaktor, wie es um die Musikindustrie insgesamt bestellt ist, und wie sich die Vorgehensweisen gegen Piraterie und Raubkopiererei, auf die Umsätze der Plattenindustrie auswirken.

Du findest die aktuellen Umsatzzahlen der Musikbranche und die vergangenen Umsatzzahlen der Musikbranche zusammen mit sehr vielen interessanten Texten und Beiträgen auf der Website der IFPI und des Bundesverbands der phonographischen Wirtschaft e. V. auf www.ifpi.de

 

 

Mitgliedschaft, Kosten, Voraussetzungen

Die IFPI unterscheidet zwischen drei Mitgliedsformen:

  • der ordentlichen Mitgliedschaft
  • der außerordentlichen Mitgliedschaft
  • der Fördermitgliedschaft

Die Kosten für ein Jahr Mitgliedschaft in der IFPI betragen stolze 885 EUR. Neue Mitglieder entrichten außerdem einen Aufnahmebeitrag in Höhe von 775 EUR.

Um ordentliches Mitglied in der IFPI zu werden, gilt es einige Voraussetzungen zu erfüllen. Allerdings ist es zunächst notwendig, zwei Jahre außerordentliches Mitglied gewesen zu sein. Schauen wir uns nun also an, welche Voraussetzungen man zu erfüllen hat, wenn man außerordentliches Mitglied der IFPI werden möchte.

Mitglied bei der Landesgruppe der IFPI kann jeder werden, “wenn dies geeignet scheint, den Vereinszweck zu erfüllen.” (Paragraf 6, Abs. 1 in der Vereinssatzung der IFPI).

Was der Vereinszweck ist, haben wir bereits einigermaßen geklärt, der Vollständigkeit halber gibt’s hier jedoch die originalen Aufgabenbereiche (den Vereinszweck) der IFPI als Auszug aus der originalen Vereinssatzung (Stand 2009). Bitte überprüfe, ob der Auszug zum Zeitpunkt an dem Du das hier liest, noch aktuell ist (denn Vereine können Ihre Satzung jederzeit ändern).

§ 6 Außerordentliche Mitgliedschaft
(1) Unternehmen können als außerordentliche Mitglieder aufgenommen werden, wenn
dies geeignet erscheint, den Vereinszweck zu fördern.
(2) Soweit dies nicht für alle Bereiche der Vereinstätigkeit gewährleistet ist, eine
Mitgliedschaft aber aus anderen Gründen geboten ist, kann für diese Mitglieder eine
Fachgruppe eingerichtet werden, deren Statuten der Vorstand beschließt. In den
Statuten können zur Gewährleistung der Gegnerfreiheit nötige Einschränkungen der
Teilhabe an Informationen festgelegt werden. § 4 Abs. 2 S. 1 gilt nicht.
(3) Über die Aufnahme entscheidet der Vorstand. § 5 Abs. 5 und 6 finden entsprechende
Anwendung.
(4) Die außerordentlichen Mitglieder entsenden einen Vertreter in die Mitgliederversammlung
der ordentlichen Mitglieder und in den Vorstand. Nähere Einzelheiten
regeln §§ 14 und 15.

 

 

Zusammenfassung

Die deutsche Landesgruppe der IFPI:

  • ermöglicht ihren Mitgliedern einen GEMA-Rabatt von 20 %.
  • sorgt für Piraterieverfolgung.
  • vertritt die politischen Interessen ihrer Mitglieder.
  • koordiniert die internationalen Belange über die weltweit vertretene IFPI.
  • ermöglicht Rahmenvereinbarungen für Repertoirenutzung als Hintergrundmusik.
  • bietet weitere Serviceleistungen der Geschäftsstelle.

 

 

Abschließend

Da der Mitgliedsbeitrag vergleichsweise hoch ist, kann es lohnenswert sein, sich als junges Unternehmen zu überlegen, inwiefern das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei einer Mitgliedschaft in den phonographischen Bundesverbänden gewährleistet ist.

Einerseits erhalten wir 20 % Rabatt auf die GEMA Abgaben, andererseits ist gerade im ersten Jahr also dem Jahr der Aufnahme der Beitrag beinahe doppelt so hoch und in den folgenden Jahren auch vergleichsweise hoch. Wer aktiv an den Versammlungen der IFPI teilnimmt, kann durchaus auch solide Kontakte knüpfen und es ist grundsätzlich empfehlenswert Mitglied bei der IFPI zu sein, weil sie einfach der stärkste Branchenverband ist. Wenn wir unser Unternehmen jedoch neu gründen und daher sowieso nicht besonders viel Geld zur Verfügung haben, wäre es unter Umständen zunächst eine möglicherweise bessere Alternative, auf die Mitgliedschaft in der IFPI zu verzichten und für den Beginn einem anderen Verband beizutreten. Viele Verbände haben ebenso Rahmenverträge mit der GEMA und bieten daher gleiche oder ähnliche Konditionen zu meist günstigeren Mitgliedsbeiträgen an.

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