SongwritingWie findet man intuitiv eine gute Melodie?

Neben Harmonien, Songaufbau, dem Arrangement und natürlich dem Songtext ist die Melodie einer der wichtigsten, wenn nicht sogar der wichtigste Faktor eines guten Songs. In diesem Artikel zeigt Dir Musikwissen.com grundsätzliche Merkmale von Melodien. Anschließend werden wir darauf eingehen, mit welchen Methoden wir gute Melodien für unsere Songs finden können.   Inhalte in diesem Artikel Gute und schlechte MelodieDie Elemente einer guten MelodieEin Melodie-ExperimentMelodien auch bei InstrumentenBillie Jean (markante Basslinie)Smoke on the Water (markantes Gitarrenriff)Intuitiver...

Neben Harmonien, Songaufbau, dem Arrangement und natürlich dem Songtext ist die Melodie einer der wichtigsten, wenn nicht sogar der wichtigste Faktor eines guten Songs. In diesem Artikel zeigt Dir Musikwissen.com grundsätzliche Merkmale von Melodien. Anschließend werden wir darauf eingehen, mit welchen Methoden wir gute Melodien für unsere Songs finden können.

 

Gute und schlechte Melodie

Was unterscheidet eine gute von einer schlechten Melodie? In der Popmusik ist dies relativ leicht. Eine gute Melodie ist:

  • leicht einprägsam,
  • kann auch von musikalischen Laien leicht mitgesungen werden und
  • sorgt bei einem Song für das gewisse Etwas, was zu hohen Verkaufs- oder Hörerzahlen führt.

Was aber unterscheidet Melodien voneinander? Eine Melodie als Abfolge von Tönen unterscheidet sich durch die folgenden Faktoren.

  • Zum einen haben wir die Tonhöhe und die Intervalle. Spielt sich die Melodie eher im oberen Spektrum oder eher im unteren Spektrum einer Tonleiter ab? Wie sind die Höhenunterschiede zwischen den einzelnen Tönen (die Intervalle)? Passen die Töne zu den Akkorden oder klingen sie in diesem Zusammenhang dissonant?
  • Der zweite Faktor ist die Repetition. Wenn Du einmal darauf achtest, wird Dir schnell auffallen, dass Melodien eigentlich aus kurzen Phrasen bestehen, die sich – häufig leicht verändert – mehrfach wiederholen.
  • Der dritte Faktor ist daher die Variation. Während in der klassischen Musik viel ausgiebiger und weitschweifiger an der Melodie variiert wird, hält sie sich in der Popmusik in Grenzen. Aber trotzdem ist die Variation von immenser Wichtigkeit, in der Bildung der Melodie.
  • Der vierte Faktor ist der Rhythmus, Groove und die Synkopierung.

Die Elemente einer guten Melodie

Es existieren nur zwölf chromatische Töne und in Tonleitern häufig sogar nur sieben unterschiedliche Töne. Die Verwendung dieser Töne ist wiederum eingeschränkt durch die zu Grunde liegenden Harmonien. Daraus ergibt sich eine kleine Menge an Tönen, die einer enormen Anzahl von Songs gegenüberstehen. Trotzdem klingen die meisten Melodielinien in Songs sehr unterschiedlich. Dies hat nicht zuletzt auch mit dem Rhythmus und der individuellen Synkopierung der Melodielinien zu tun.

Melodien folgen oft einer wellenartigen Bewegung. Sie steigen auf, sie bleiben kurz an der gleichen Stelle aber nicht auf dem gleichen Ton und steigen anschließend wieder herab (oder umgekehrt). Nimm das Lied: “Alle Meine Entchen” und Du hast bereits ein gutes Beispiel für eine solche Wellenbewegung. Prinzipiell funktioniert dies mit jedem Lied. Man beginnt an einem Ton, dann passiert etwas zwischen diesem Ton und einem höheren Ton oder einen niedrigeren Ton und am Ende kommt man doch wieder zum ursprünglichen Ton (oder zumindest in die Gegend von ihm) zurück.

Ein Melodie-Experiment

Höre nun an dieser Stelle ein Beispiel eine Melodie, bei der vieles nicht stimmt: Sie hat keine Repetition, das heißt es passiert ständig Neues. Du wirst feststellen, dass diese Melodie eher verwirrend klingt und ganz sicherlich nicht für einen erfolgreichen Popsong geeignet ist.


Nun eine Melodie, die zwar Repetition hat, aber dafür keine Variation. Auch sie klingt nicht gut, sondern eher langweilig bis nervig.

Zum Vergleich nun diese Melodie. Hier sehen wir eindeutig die Wellenbewegung und dass Sie aus zweimal der gleichen Phrase besteht, die in der Tonhöhe ein wenig variiert. Diese Melodie eignet sich schon sehr viel besser für einen erfolgreichen Popsong.

Melodien auch bei Instrumenten

Denke daran, dass bei guten Songs die Melodie nicht nur im Gesang vorkommen kann, sondern sehr häufig auch die Instrumente gut einprägsame Melodielinien spielen. Ein markantes Gitarrenriff ist bei vielen sehr erfolgreichen Songs neben dem Gesang, elementarer Bestandteil der Hookline.

Hier eine kleine Auflistung:

  • Billie Jean (markante Basslinie)

 

  • Smoke on the Water (markantes Gitarrenriff)

 

  • Money (markantes Drumpattern im ungewöhnlichen 7/4 Takt)

 

Intuitiver Ansatz

Der intuitive Ansatz zum Finden einer Melodie unterscheidet sich vom später behandelten theoretischen Ansatz dadurch, dass man sich auf die Intuition verlässt. Es geht hier also weniger darum, dass man sich auf seinen Hosenboden setzt und quasi am Reißbrett die Melodie für einen Song entwirft, sondern vielmehr darum, aus dem “Äther der Kreativität” eine gute Melodie zu extrahieren. Die Intuition spielt in der Musik eine große Rolle. Einerseits kann man argumentieren, dass Melodien, die uns aus dem Nichts in den Kopf schießen, von einer “höheren Macht”, dem “Universum” oder dem unfassbaren “Kollektivbewusstsein der Menschheit” stammen.

Andererseits kann man auch argumentieren, dass so entstehende Melodien auf Basis unserer bisherigen Hörerfahrungen oder aus schierem Zufall entstehen. Was auch immer es ist, es funktioniert. Denn der allergrößte Teil an Melodien entsteht über den intuitiven Ansatz. Das heißt natürlich nicht, dass man Melodien, die auf dem intuitiven Weg entstanden sind, nicht anschließend noch einmal -nun doch auf dem Hosenboden sitzend- im Rahmen allen theoretischen Wissens am Reißbrett nachbearbeiten kann.

 

Einfach aufnehmen

Eine beliebte Möglichkeit ist es, einfach mal für 20-30 Minuten ein Mikrofon in den Player zu stecken und beliebige Melodien aufzunehmen. Hierbei geht es nicht darum, die perfekte Melodie zu finden, sondern erst ein mal nur darum, möglichst viele Melodien auf zu singen. Es ist quasi ein musikalisches Brainstorming. Dies kann entweder ohne jegliche rhythmische oder harmonische Begleitung erfolgen oder – sofern vorhanden- über ein sich immer wieder wiederholendes Instrumental des Songs oder Teilen davon. Sofern bereits ein Songtext vorhanden ist, kann dieser verwendet werden. Gibt es noch keine Lyrics, so kann man entweder eine “Fantasiesprache” verwenden oder einfach Silben oder kurze Laute (wie Ah, Oh, Dah oder Duh) als provisorischen Songtext verwenden.

Nachdem die Aufnahme erfolgreich abgeschlossen ist, legst Du eine Pause ein nach etwa weiteren 30-60 Minuten -oder vielleicht sogar erst am nächsten Tag- geht es in einem zweiten Schritt daran, die guten, besseren und besten Melodien herauszusuchen. Höre Dir dazu Deine 20-30 Minuten lange Aufnahme mehrfach an und notiere Dir die Stellen, an denen besonders gute Melodiefragmente auftauchen. Das ist zugegebenermaßen ein wenig Arbeit- aber in den allermeisten Fällen wird sich diese Arbeit auszahlen. Viele gute Songs sind auf diese Art und Weise entstanden- aber bei wenigen ist es bekannt. Nachweislich wurde das Comebacklied der Band “Take That” von 2010 “The Flood” auf diese Art und Weise mit seiner Melodie versehen.

 

Geistesblitze

Viele Songwriter kennen vermutlich dieses Phänomen: man sitzt in der U-Bahn, im Park, am Esstisch, auf der Toilette; oder man liegt im Bett und ist kurz vorm Einschlafen – und Zack, da ist sie- die perfekte Melodie. Wo auch immer diese intuitiven Geistesblitze stammen, als ernstzunehmender Songwriter muss man sie konservieren.

Denn die Wahrscheinlichkeit ist gering, dass man sich auch Stunden später noch an die Melodie erinnert. Natürlich könnte man dies im Sinne der später noch besprochenen Prüfmethode als probate Wahlmethode verstehen. Frei nach dem Motto: Wenn ich mich später nicht mehr an diese Melodie erinnere, kann sie nicht so gut gewesen sein”. Allerdings liegt es natürlich nahe, die Melodie trotzdem aufzunehmen. Heutzutage braucht man nicht mal mehr ein Diktiergerät mit sich herum zu schleppen, sondern kann, sofern man eines besitzt, sie direkt auf sein Handy oder Smartphone aufsingen.

Das Tolle an dieser Methode ist auch, dass man gezielt inspirierende Orte aufsuchen kann. So fällt es einem vielleicht leichter eine romantische Melodie zu finden, wenn man bei Vollmond auf einer Waldlichtung sitzt. Und vielleicht leichter eine kraftvolle, adrenalin-gefüllte Melodie zu finden, während man sich auf der Achterbahn in eine Kurve lehnt.

Wenn also beim nächsten Mal der zufällige Anflug einer Melodie zu spüren ist, sollte man schnell sein und den Geistesblitz aufnehmen, um ihn später nochmals in aller Ruhe zu analysieren und zu prüfen, ob man nicht vielleicht zufällig den nächsten großen Hit aufgespürt hat.

 

Täglich schreiben

Große und sehr erfolgreiche Songwriter werden am Ende ihrer Karriere häufig mit ihren erfolgreichsten Songs erwähnt. Taucht man allerdings tiefer in die Materie ein, erkennt man, wie viele Songs von diesen bekannten Songwritern tatsächlich veröffentlicht worden sind. Hat ein Songwriter beispielsweise vier oder fünf große Hits geschrieben, so hat er mit Sicherheit in den meisten Fällen 200 bis 400 Lieder veröffentlicht. Und das sind nur die, die’s auch tatsächlich bis zur Veröffentlichung geschafft haben. Stell Dir also mal vor, wie viele von den Songs, die dieser Songwriter geschrieben hat niemals veröffentlicht worden sind. Es müssen eine ganze Menge sein.

Nun ist es klar, dass wir bei sehr erfolgreichen Songwritern auch über Karrieren sprechen, die häufig 10, 20 oder sogar 30 Jahre angedauert haben. Da kommt einiges zusammen. Trotzdem sieht man, wie stark der Drang auf – und die Lust am Songwriting vorhanden war. Willst Du das Songwriting also selbst ernsthaft betreiben, so solltest Du täglich Songs schreiben. Nicht jeder davon wird ein Hit werden. Die meisten davon werden tatsächlich keine Hits werden.

Jeder Song verbessert Deine Skills

Viele davon wirst Du vermutlich nach einiger Zeit selbst in die Mottenkiste packen wollen. Aber jeder Song, den Du schreibst, verbessert Deine Fähigkeiten. Jeder Song, den Du schreibst, bringt Dir Erfahrung, Kenntnisse und beinhaltet in sich die Chance, der große Glücksgriff zu sein. Außerdem gibst Du Dir selbst ein wichtiges Zeichen: wenn Du täglich schreibst, zeigst Du Dir selbst, wie ernst Dir die Sache ist. Das bedeutet natürlich nicht, dass Du nun unbedingt jeden Tag einen kompletten Song schreiben sollst. Wenn Dir das möglich ist, umso besser. Falls nicht, reicht es auch aus, wenn Du jeden Tag an einem Deiner Songs arbeitest. Manche Leute gehen davon aus, dass Du mindestens 200 Songs geschrieben haben musst, bevor Du das Songwriting Handwerk überhaupt beherrscht. Da könnte etwas dran sein. Also investiere täglich ein wenig Zeit in diese schöne Tätigkeit.

 

Nicht am Instrument sitzen

Manch einem mag es zwar helfen an seinem Instrument zu sitzen und eine Melodie zu spielen, andererseits muss man aber auch im Hinterkopf behalten, dass diejenigen, die das Lied am Ende hören, gut finden und möglicherweise mitsummen oder mitsingen sollen, vermutlich nicht an einem Instrument sitzen. Idealerweise findet man also eine Melodie, während man sie singt. Dies kann natürlich auch im Kopf geschehen. Aber die Hände frei zu haben und nicht am gewohnten Instrument zu sitzen, die immer gleichen Akkorde zu spielen oder leicht spielbare aber möglicherweise schwer singbare Melodien zu komponieren, kann ein ganz neuer und erfolgreicher Anstoß sein.

 

Das Unterbewusstsein arbeiten lassen

Michael Jackson sagte einmal in einem Interview, der Künstler stehe den Songs häufig im Wege. Er sagte weiter, für den Hit “Billie Jean” hätte er lediglich ausgesprochen, dass er eine gute Hook für den Bass brauche; und ein paar Tage später kam die Inspiration “from above”.

Originalzitat:

Schreibe nicht die Musik, lasse die Musik sich selbst schreiben.
(Michael Jackson)

Dieses Prinzip, etwas auszusprechen oder sich zu wünschen und es dann zu vergessen und einfach das Unterbewusstsein die Arbeit machen zu lassen, ist unter vielen unterschiedlichen Begrifflichkeiten bekannt. Bücher wie: “The Secret” oder “Wunschbestellungen beim Universum” propagieren exakt die gleiche Methode. Vielleicht wirst Du jetzt einwenden, dass dies doch etwas mystisch daherkommt, wenn es um Songwriting geht. Natürlich hast Du damit Recht.

Ob es nun wirklich die Einflussnahme einer höheren Macht oder eines “universellen Gesetzes der Anziehung” ist, kann nicht festgestellt werden. Aber viele Menschen schwören auf die Wirksamkeit. Es kann durchaus sein, dass diese Vorgehensweise tatsächlich im Unterbewussten eine andere Fokussierung hervorruft. Beispiel: wenn Du mit dem Gedanken spielst, Dir ein bestimmtes Auto zu kaufen, wirst Du dieses Auto in aller Regel sehr viel häufiger auf den Straßen bemerken.

Fokus auf gute Melodien

Dies liegt daran, dass das Gehirn permanent all die Sinneseindrücke, die um uns herum stattfinden, im Hinblick auf deren Wichtigkeit für uns bewerten muss. Ein schnell heranfahrendes Auto oder ein plötzlich aus einem Gebüsch springen der Säbelzahntiger bedeuten für uns Lebensgefahr, weswegen wir solche Dinge sogar aus dem Augenwinkel wahrnehmen. Wenn wir unser Gehirn zu verstehen geben, dass eine Sache für uns besondere Wichtigkeit hat, so wird unser Hirn derartige Vorkommnisse verstärkt wahrnehmen. Dies kann auch bei einer guten Melodie der Fall sein.

Wir befinden uns hier zugegebenermaßen auf einem stark auf der Intuition basierenden Hinweis, den natürlich jeder selbst nach seiner Wirksamkeit bewerten möge. Aber wenn Du Lust hast, kannst Du Dich der Sache ja einmal öffnen und es ausprobieren. Denn probieren kostet ja nichts. Sprich also Deinen Wunsch aus – etwa in der Art: “Ich möchte eine hitverdächtige Melodie für meinen Chorus und vertraue darauf, sie zu erhalten” und kümmere Dich dann nicht weiter darum. Achte aber darauf, wenn Dir Melodien in den Kopf kommen und nimm sie gegebenenfalls, wie bereits besprochen, mit Deinem Smartphone auf.

 

Sprachrhythmus und Sprachtonhöhe

Auf den ersten Blick vielleicht etwas ungewohnt – aber auch die Art und Weise, wie wir reden hat einen ganz eigenen Sprachrhythmus und eine eigene “Melodie”. Ein weiterer Ansatz ist daher, dass man sich eine Phrase aus einer bekannten Rede nimmt und auf ihr aufbauend eine Melodie.

Nehmen wir hier also das berühmte “One small step for man” und machen daraus eine Melodie, so erhalten wir etwas in der Art von:

Es kann natürlich sein, dass Du eine völlig andere Melodie im Kopf hattest. Falls das der Fall war: Umso besser. Schließlich zeigt es, wie individuell die Resultate sind, die mit dieser Methode erzielt werden können.

 

Theoretischer Ansatz

Neben dem intuitiven Ansatz, existiert zudem der theoretische Ansatz zum Finden einer Melodie. Hier geht es wirklich darum, die Melodie ganz gezielt und geplant zu erstellen und/ oder zu bearbeiten. Es bietet sich natürlich an, eine Kombination aus den beiden Ansätzen zu wählen und intuitiv entstandene Melodien über die Methoden aus den theoretischen Ansätzen zu verbessern. Umgekehrt kann man natürlich auch solch Melodien, die über den theoretischen Ansatz entstanden sind mittels intuitiven Ansätzen modifizieren. Den theoretischen Ansatz behandeln wir ebenfalls auf Musikwissen.com

 

Abschließend

Es gibt viele Methoden, um über Intuitivität zu einer guten Melodie zu gelangen. So lässt sich einfach etwas Kreativität aus dem “Äther” saugen. Die meisten davon haben wir kennengelernt. Aber natürlich ist jeder Mensch anders und es kann sein, dass Du eine komplett eigene Methode hast, die Dir dabei hilft, Melodien zu finden (zum Beispiel dem Zuhören von Vögeln und der Herleitung einer Melodie daraus, …). Nutze einfach die Methode, die Dir am meisten zusagt.

 

 

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