MusikproduktionSongwritingMusik produzieren – Im Homestudio oder im Tonstudio

Wer seine Songs bei Musikverlagen oder Künstlern bzw. deren Produzenten anbieten möchte, tut gut daran, ein professionelles Demo zu produzieren. Noch zu Zeiten der Beatles steckte die Aufnahmetechnik in den Kinderschuhen. 4-Spur-Rekorder gehörten zur Oberklasse der Tontechnik. Doch mit der Zeit wurde auch die Technik immer besser und schneller. In den siebziger-, achtziger- und auch noch den neunziger Jahren waren aufwändig und teuer eingerichtete Tonstudios die einzige Möglichkeit, wie man eine gut klingende Aufnahme zu...

Wer seine Songs bei Musikverlagen oder Künstlern bzw. deren Produzenten anbieten möchte, tut gut daran, ein professionelles Demo zu produzieren. Noch zu Zeiten der Beatles steckte die Aufnahmetechnik in den Kinderschuhen. 4-Spur-Rekorder gehörten zur Oberklasse der Tontechnik. Doch mit der Zeit wurde auch die Technik immer besser und schneller. In den siebziger-, achtziger- und auch noch den neunziger Jahren waren aufwändig und teuer eingerichtete Tonstudios die einzige Möglichkeit, wie man eine gut klingende Aufnahme zu Stande bringen konnte.

Doch das änderte sich, als Computer schneller und leistungsfähiger wurden. Mittlerweile ist es möglich, in einem kleinen, günstig eingerichteten Homestudio weitaus bessere tontechnische Ergebnisse zu erzielen, als dereinst in den sechziger Jahren die Beatles. Es reicht daher in aller Regel heutzutage nicht mehr, wenn ein Songwriter seine Demos in schlechter Qualität aufnimmt. Zwar kann es durchaus reizvoll sein, einen Song nur mit Gitarre und Gesang aufzunehmen – aber selbst dann, müssen Gitarre und Gesang von der Tonqualität und der Qualität der Musizierenden (also Sänger und Gitarrist) sehr gut sein.

Heutzutage bieten sich uns zwei Möglichkeiten, ein gutes Demo oder gute Musik zu produzieren: einerseits über ein Homestudio und andererseits durch die Produktion in einem professionellen Tonstudio. In diesem Artikel schauen wir uns beide Möglichkeiten an, betrachten die Unterschiede und worauf es zu achten gilt.

Demo- und Musikproduktion über ein professionelles Tonstudio

Werfen wir zunächst einen Blick darauf, wie wir Musik in einem Tonstudio produzieren können.

Tonstudio buchen

Seine Musik in die Hände eines Tonstudios zu legen hat sehr viele Vorteile – aber auch einige Nachteile. Vorteilhaft ist natürlich, dass man, sofern man einen professionellen Tontechniker engagiert, auch davon ausgehen kann, dass die Ergebnisse professionell klingen werden.

Tontechniker absolvieren eine meist mehrjährige Ausbildung und kennen sich sowohl in der Aufnahmetechnik als auch in den physikalischen Gegebenheiten der Akustik bestens aus. Sie haben Erfahrung im Bereich von Studioaufnahmen und das nötige Know-how, um hervorragende Ergebnisse zu erzielen.

Manchmal haben Tonstudios zudem den Vorteil, dass sie über Kontakte in die Musikbranche verfügen. So kann es durchaus sein, dass ein Demo seine Hörer über einen Kontakt findet, der durch das Studio bzw. den Tontechniker zustande gekommen ist.

Auch ist das Finden von professionellen Studiomusikern über ein Tonstudio in aller Regel sehr leicht. Es liegt in der Natur von Tonstudios, über umfangreiche Kontakte zu Studiomusikern zu verfügen. Schließlich werden sie hier häufig benötigt. Was einen guten Studiomusiker ausmacht, werden wir im Laufe dieses Artikels noch näher erläutern.

Negativ bei einem Tonstudio ist zu aller erst eines: der Preis. Man bezahlt nämlich in aller Regel pro Stunde. Je nach Größe, Bekanntheit und auch Professionalität richtet sich der Stundenpreis. durch gute Vorbereitung kann man diesen Preis zwar drücken, er bleibt aber trotzdem nicht zu unterschätzen und selbstverständlich eine Hürde in der Produktion mehrerer Demosongs.

Ein weiterer Punkt ist, dass der Songwriter zwar als Musikproduzent auftritt, da er das Tonstudio und den Tontechniker bezahlt, es aber trotzdem der Fall sein kann, dass das Demo nicht so klingt, wie der Songwriteroder die Band das gern hätte. Dies hat seinen Grund einfach darin, dass in der zwischenmenschlichen Kommunikation natürlich ständig Fehler passieren.

Viele Wörter, die wir zur Beschreibung benutzen, sind nicht eindeutig definiert. So kann es sein das der Songwriter möchte, dass die Gitarren etwas “blumiger” klingen. Der Begriff “blumig” ist allerdings sehr subjektiv. Es kann daher sein, dass der Tontechniker etwas völlig anderes unter diesem Begriff versteht und der Songwriter letztlich nicht mit dem Ergebnis zufrieden ist.

Wie finde ich ein gutes Studio?

Stellt sich nun die Frage, wie man ein gutes Studio finden kann. Als aller erstes liegt natürlich nahe, dass man direkt vor Ort schaut. Gibt es Tonstudios, die sich in der Nähe befinden und über ausreichende Professionalität verfügen?

Die große Problematik besteht nämlich darin, dass, seitdem Studioequipment immer günstiger geworden ist, viele amateurhafte oder semi-professionelle “Hobby-Tontechniker” am Markt vertreten sind. Das Tonstudio, befindet sich dann beispielsweise in einem Keller und sieht auf den ersten Blick recht professionell aus. Am Ergebnis des Songs stellt man aber schnell fest, dass er das Geld nicht wert war, das man investiert hat. Auch wenn der vermeintliche Tontechniker mit noch so vielen Fachbegriffen um sich geworfen hat.

Wichtig ist also, dass man auf gute Referenzen achtet. Wer hat in diesem Tonstudio schon aufgenommen? Ist sogar der eine oder andere bekannte Name dabei? Verfügt das Tonstudio beziehungsweise dessen Tontechniker über Qualifikationen? Wurden Lehrgänge, Kurse oder gar Studiengänge im entsprechenden Fachbereich abgelegt? Gibt es Soundfiles, die du dir vorher anhören kannst, damit du hören kannst, ob die Qualität der produzierten Musik deinem Qualitätsanspruch genügt?

Zu guter letzt spielt auch der Preis eine Rolle. Bist überhaupt in der Lage, dir dieses Studio zu leisten? Und sind dir die Leute, die dort mit dir zusammenarbeiten sympathisch? Macht der komplette Ablauf (auch schon im Vorhinein) einen professionellen Eindruck?

All das sind Dinge, die du vor einer Buchung klären solltest. Denn wenn du ein Tonstudio beauftragst, investierst du Geld, das sich anschließend auch in der Qualität des Demos materialisieren sollte.

Was kostet ein gutes Studio?

Die Kosten für eine Studioaufnahme variieren stark. Das hängt natürlich einerseits vom entsprechenden Studio ab, andererseits auch davon, wie viele Studiomusiker du für dein Demo oder deinen Song benötigst und wie aufwändig sich die Aufnahmearbeiten gestalten.

Eine reine MIDI-Produktion von einem Lied, auf das du selbst singst, sollte bereits für zwischen 200-400 € umsetzbar sein. Die Preise von Studiomusikern variieren. Hinzukommt, dass die Aufnahme von echten Instrumenten natürlich auch mehr Studiozeit veranschlagt, da Instrumente aufgebaut, angeschlossen und gestimmt werden müssen, Mikrofone aufgebaut werden müssen und Musiker nicht jedes Lied auf Anhieb so einspielen, wie das gewünscht ist.

Insofern wird auch der Tonstudioaufenthalt teurer. Am besten ist es, beim Studio anzufragen, was ein Studiomusiker pro Stunde kostet. Je nach Grad der Professionalität gibt es teilweise Studiomusiker, die Demos bereits für 40 € die Stunde aufnehmen, andere verlangen 80 €, wieder andere 200 € und mehr.

Bei Studioauswahl immer auf Professionalität wert legen

Wichtig ist, dass man einen Studiomusiker findet, der professionell genug ist, um Noten flüssig vom Blatt spielen zu können. Wählt man stattdessen seinen “guten Freund”, der doch am Lagerfeuer immer so schön Gitarre spielt, mit ins Studio, so spart man am falschen Ende, da die Aufnahmen garantiert nicht so gut klingen werden, wie die eines Musikers, der bereits Studioerfahrung hat. Aufnahmen mit semi-professionellen Musikern werden oft mühselig und lang – und damit teuer.

Das liegt einfach daran, dass die Aufnahme in einem Tonstudio eine völlig andere Situation darstellt, als das Spielen von Live-Musik. Im Tonstudio muss wirklich alles sitzen: das Timing muss genau stimmen und jedes kleine Scheppern/ jede kleine Unsauberkeit beim Spielen, die in Live-Situationen leicht überhörbar ist, tritt auf Aufnahmen deutlich hervor. Wenn es schon ein Bekannter ist, den man beauftragt, sollte dieser also zumindest schon einmal im Tonstudio (oder zu Hause mittels eines Multitrackers oder am Computer) aufgenommen haben.

Andererseits muss es auch nicht der beste und bekannteste Studiomusiker sein. Es handelt sich schließlich nur um ein Demo für uns als Songwriter oder einen Song, den wir auf YouTube oder Spotify veröffentlichen. Zwar kommt es heutzutage manchmal vor, dass ein Musikproduzent direkt das Instrumental (also die Aufnahme ohne Gesang) des Songwriters verwendet und einfach seinen Sänger die Gesangsspur drüber singen lässt – aber in aller Regel produziert der Musikproduzent das Lied neu. Und wer echte Musiker in seiner Musik spielen lässt, übertrifft bereits 90% aller Musikproduktionen, die sich am Markt befinden in punkto Authentizität.

Was leistet ein gutes Studio?

Ein gutes Tonstudio zeichnet sich dadurch aus, dass du eine gute Beratung erhältst. Man nimmt dich ernst und erklärt dir die Dinge, die für dich Neuland sind.

Ein gutes Tonstudio wird die Buchung von Studiomusikern für dich übernehmen und dir auch Studiomusiker in unterschiedlichen Preisrahmen anbieten, wenn du danach fragst.

Die Aufnahme wird professionell und zügig vonstatten gehen. Der Tontechniker wird anerkennen, dass du als derjenige der bezahlst, der Musikproduzent bist. Er wird daher auf deine Wünsche eingehen und nicht versuchen, der Aufnahme seinen eigenen Stempel auf zu drücken.

Er wird dir anbieten, deine Aufnahme ohne extra Kosten grob zu mischen, so dass du eine Aufnahme hast, die du extern zum Mastern geben kannst. Auf Wunsch wird man dir außerdem anbieten, das Mastern für dich zu übernehmen. Mastern bezeichnet übrigens den letzten Feinschliff eines Songs. Das kostet natürlich extra (und ist bei gut gemischten Demos oder Songs auch nicht unbedingt nötig).

Ein gutes Tonstudio verfügt über alles benötigte Equipment und liefert dir bessere Ergebnisse, als du (als Laie) in aller Regel in einem Homestudio erzielen könntest.

Musiker buchen

Wenn du das Finden von Musiker selbst übernehmen möchtest, sollten die folgenden Tipps dir weiterhelfen können.

Musiker finden

Gute Musiker zu finden, ist zu Beginn schwierig. Ständig kauft man die sprichwörtliche Katze im Sack. Nach einiger Zeit wird dies natürlich leichter. Schließlich lernt man mit jeder Aufnahme die einzelnen Qualitäten von Musikern kennen und baut sich so ein kleines Netzwerk an verlässlichen, professionellen Studiomusikern auf. Ein Tonstudio hat diese Arbeit in den allermeisten Fällen bereits hinter sich und kann zuverlässig gute Musiker für die eigene Produktion empfehlen.

Musiker für Eigenproduktion finden

Wie aber findet man Musiker, wenn man über ein Homestudio seine Demos und Songs aufnimmt? Zum einen kann man sich auf die Empfehlung von Bekannten verlassen. Dies allerdings nur, wenn diese Bekannten selbst auch Musiker sind und tatsächlich auch eine Ahnung von Musik haben.

Denn häufig weichen die Definitionen von “guten Musikern” in der Meinung von Profis und Amateuren doch weit auseinander. Hilfreich ist es hier natürlich, wenn man befreundete Songwriter oder Musiker aus der gleichen Region hat, die bereits mit Studiomusikern aus der Region gute Erfahrung machen konnten.

Ist das bei dir nicht der Fall, so kann sich auch ein Blick ins Internet lohnen. Es gibt mittlerweile zahlreiche Plattformen, auf denen sich Musiker anmelden können, um durch interessierte Parteien, wie beispielsweise Musikproduzenten, Tonstudios oder Songwriter gefunden zu werden.

Auch an lokalen Musikschulen, kann man sich als Songwriter oder Musikproduzent einmal umhören und schauen, ob man hier nicht einen Studenten der Musik oder langjährigen Musiker zu einem etwas günstigeren Preis als Studiomusiker verpflichten kann. Auf diese Art und Weise tut der Musiker das, was er am liebsten macht und kann sich so nebenher ein wenig Geld zum Studium dazu verdienen.

Abtretung der Leistungsschutzrechte

Wir haben bereits das Urheberrecht behandelt (hier: Was ist das Urheberrecht? Und wie schütze ich es? – Link öffnet in neuem Fenster) und dabei herausgefunden, dass uns als Songwriter – also denjenigen, die Text und Musik zu einem Lied schreiben – eine Vergütung zusteht. Bei ausübenden Musikern ist dies ähnlich.

Schließlich üben auch Sie eine kreative, schöpferische Tätigkeit aus, wenn sie ihr Instrument in einer bestimmten Art und Weise spielen. Dieses Recht nennt sich Leistungsschutzrecht. Dieses Leistungsschutzrecht müssen wir uns vom Musiker einholen.

Das geschieht über die Bezahlung einer Vergütung für seine Leistungen. Im Gegenzug unterschreibt der Musiker einen Verzicht auf seine Leistungsschutzrechte, da die Vergütung durch die Bezahlung bereits stattgefunden hat. Dies geschieht mittels der so genannten “Künstlerquittung”.

Wann werden Instrumentalmusiker zu Songwritern?

Nun stellt sich natürlich die Frage, ob der ausübende Musiker neben den Leistungsschutzrechten nicht auch als Songwriter tätig wird – also zumindest teilweise auch das normale Urheberrecht am Song innehat? Dies ist von Fall zu Fall verschieden. In aller Regel gilt: Spielt der Musiker nach Vorgabe des Songwriters, so ist es auszuschließen.

Wird er allerdings selber “als Komponist” tätig – beispielsweise indem er dem Song (ohne Vorgabe des Songwriters) ein markantes Riff hinzufügt, das für den Song bezeichnend ist (vergleiche z.B. das Riff von “Smoke on the water”), so ist davon auszugehen, dass er den Song mitkomponiert hat.

Der Songwriter tut also gut daran, exakte Anweisungen darüber zu geben, wie der Musiker zu spielen hat und dessen kreative Freiheit nicht so weit gedeihen zu lassen, dass dieser am Ende tatsächlich auch als Komponist am Werk tätig ist.

Tipps bei der Aufnahme in einem Tonstudio

Einige Tipps können sich als hilfreich erweisen, wenn wir unser Demo in einem professionellen Tonstudio aufnehmen.

Gute Vorbereitung

Eine gute Vorbereitung kann dazu beitragen, Kosten zu sparen. So gilt es erstens, konzentriert und organisiert zu arbeiten und die Studio Zeit so gut wie möglich zu nutzen. Aber bereits im Vorhinein kann man als Songwriter seine Hausaufgaben erledigen.

Singt man die Songs beispielsweise nicht selbst und muss dafür einen Sänger oder eine Sängerin beauftragen, so lohnt es sich diesem Sänger oder dieser Sängerin bereits im Vorhinein eine Rohaufnahme des Songs zuzusenden (die kann ruhig amateurhaft mit einem schlechten Mikrofon und einer Gitarre vom PC aufgenommen werden). Dabei handelt es sich einfach um eine Aufnahme, die du selbst angefertigt hast.

So hört der Sänger oder die Sängerin bereits, wie der Song klingt und kann sich darauf vorbereiten, was später Studio Zeit einspart. Außerdem kann der Sänger/ die Sängerin dir mitteilen, ob der Song eventuell zu hoch oder zu niedrig für ihn/ sie ist. So kannst du den Song in der Tonhöhe ändern. Würdest du dies erst im Studio tun, so würde selbstverständlich wertvolle Zeit verloren gehen.

MIDI-Produktion

Statt dich ausschließlich auf Studiomusiker zu verlassen, kann es sich lohnen, entweder im Studio selbst oder zuvor am heimischen PC das Grundgerüst des Songs als MIDI-Produktion zu gestalten und nur charakteristische Instrumente von echten Studiomusikern aufnehmen zu lassen. Gerade Instrumente, die schwierig aufzunehmen sind (beispielsweise weil viele Mikrofone nötig sind wie bei einem Schlagzeug), ist es weniger zeitintensiv, eine MIDI Produktion zu verwenden. Mehr zum Thema MIDI Produktion am heimischen PC findest du hier in diesem Artikel.

Beschränkung auf Hits

Wer ein Tonstudio mietet, investiert Geld in eine gute Aufnahme. Das ist soweit okay, sollte allerdings in einem vernünftigen Verhältnis zur Verwertbarkeit des Songs stehen. Du solltest also im Vorhinein festlegen, dass es deine kommerziell Erfolg versprechendsten Lieder sind, die im Studio aufgenommen werden und deine Tonstudioproduktion auf diese Lieder beschränken.

Instrumental/ Final

Lege darauf Wert, dass man dir am Ende der Studio Sessions nicht nur das fertige Lied, sondern auch das Instrumental dazu (also das Lied ohne Gesangsspuren) und jede Tonspur einzeln gibt. Schließlich hast du dafür bezahlt und es könnte durchaus sein, dass später ein Musikproduzent deinen Song gut findet und dich nach dem Instrumental fragt, um schnell und einfach seinen eigenen Sänger die Gesangsspur darüber singen zu lassen.

In diesem Fall ist das Instrumental natürlich sehr hilfreich. Und die einzelnen Tonspuren sind sowieso immer praktisch. Sei es, dass du den Song neu abmischen lassen willst. Sei es, dass du eine Musikspur ersetzen willst (z.B. wegen Differenzen mit einem der Studiomusiker). Oder für einen Remix.

Demo- und Musikproduktion über ein Homestudio

Günstiger als die Aufnahme über ein professionelles Tonstudio, ist die Aufnahme in einem Homestudio. Heutzutage kann man bereits für wenige 100 € oder 1000 € ein relativ gutes Homestudio aufbauen. Allerdings ist es hierfür nötig, dich ein wenig mit Musikproduktion und Musiktechnologien auseinanderzusetzen.

Midi-Produktion

MIDI ist englisch und steht für “Musical Instrument Digital Interface” – auf Deutsch digitale Schnittstelle für Musikinstrumente. Es handelt sich hierbei um einen Industriestandard, der Steuerinformationen zwischen elektrischen Instrumenten ermöglicht. Das klingt jetzt kompliziert, ist es aber eigentlich nicht. MIDI basiert darauf, dass lediglich Daten über einen Ton, dessen Länge, und Anschlagstärke übertragen werden. Da nur Daten um keine tatsächlichen Töne übertragen werden, ist die Übertragung besonders flexibel. Dies ermöglichte schon lange bevor die Technologie die Möglichkeiten erreicht hat, die sie heute erreicht, die Verwendung von Keyboards, Synthesizern und so genannten Samplern.

Musikproduktion mit Samplern und Synths

Ursprünglich wurde MIDI lediglich für Synthesizer entwickelt. Schnell folgte die Anwendung für Sampler, Drumcomputer und andere musikalische Technologien. Die Entwicklung erfolgte in den 1980er Jahren. Die Funktionsweise ist dabei denkbar simpel. Spielt man auf einem Keyboard eine Taste, so wird digital übertragen, welcher Ton in welcher Anschlagsstärke (also der Kraft, die man zum Anschlagen des Tons aufgewendet hat) wie lange gedrückt wurde. Auf Basis dieser Informationen, kann man beispielsweise einen Sampler bedienen.

Beispiel für eine DAW

Ein Sampler ist ein Gerät, das real aufgenommene Töne, die so genannten Samples, verwendet und sie in unterschiedlichen Tonhöhen abspielt. Lass uns das verdeutlichen: Stelle dir vor, in einem professionellen Tonstudio wird jede einzelne Taste eines sehr teuren Flügels in jeder Anschlagstärke aufgenommen. Der Pianist drückt also beispielsweise sehr hart die Note C. Dann drückt er sehr leicht auf die Note C. Dann drückte er in einer mittleren Anschlagstärke auf die Note C. Das gleiche folgt mit allen Tönen in mehreren Oktaven.

Innerhalb des Samplers wird nun jedes aufgenommene Soundelement der entsprechenden Taste zugeordnet. Mittels MIDI kann man nun also auf einem eigentlich stummen Keyboard die Note C in leichter Anschlagstärke drücken und der Sampler ersetzt diese Dateninformationen durch das real aufgenommene Sound File. Während Sampler ursprünglich aufgrund der Technologie mit geringen Datenmengen auskommen mussten und manchmal nur 1 MB umfassten, ist es heutzutage aufgrund der modernen Computertechnologie möglich, komplette Symphonieorchester einzeln aufzunehmen und über MIDI ansteuerbar zu machen.

 

Klavierspieler sind bei Musikproduktion klar im Vorteil

Die Fähigkeit Klavier zu spielen bemächtigt also heutzutage dazu, praktisch jedes existierende Instrument über einen Sampler nachzuahmen. Diese Technologie findet sowohl in praktisch allen Hollywoodfilmen zur Erstellung der Filmmusik Verwendung, als eben auch in der modernen Pop, Rock und Volks-, sowie Schlagermusik.

Falls du noch nicht mit der computer- und MIDI-basierten Musikproduktion vertraut bist, mag das jetzt reichlich seltsam klingen. Aber es ist wirklich möglich, komplette Lieder ausschließlich am Computer zu erzeugen, darin Gitarren, Streicher, ja sogar Sänger völlig flexibel verwenden zu können und dabei nur das Klavier zu beherrschen. Werfen wir an dieser Stelle einen kleinen Blick auf die momentan besonders bekannten und häufig genutzten Programme.

Propellerheads Reason

REASON ist eine Musiksoftware, die aus Schweden stammt. Die erste Version, wurde im Jahr 2000 auf den Markt gebracht. REASON kommt im Design eines Studio Racks daher. Wer nicht weiß was das ist, findet hier einen Screenshot. REASON bietet eine Vielzahl an virtuellen Geräten, die normalerweise teuer in ein echtes Studio Rack gekauft werden müssten. Es gibt mehrere Sampler, Drumcomputer, Loopplayer und viele andere Geräte, die für die Produktion von professioneller Musik nötig sind. REASON bietet dabei eine Vielzahl an so genannten Refills an.

Dabei handelt es sich um Erweiterungen, wie beispielsweise besonders aufwändig gesampleten Flügeln, Streichern oder Instrumenten aus besonderen Musikstilen, wie dubStep, Dance oder Funk. durch eine Erweiterung, ist REASON außerdem fähig, Gesang über den Computer aufzunehmen. Insgesamt lässt sich für diese Software feststellen, dass sie nach kurzer Einarbeitung auch für Personen, denen das ganze Thema neu ist, hervorragend geeignet ist. Sie ist intuitiv zu bedienen und bietet dabei trotzdem eine sehr hohe Flexibilität. Jeder Songwriter, der zuhause produzieren möchte (und Klavier spielen kann), kommt um REASON nicht vorbei.

Mehr Informationen unter http://www.propellerheads.se/

Cubase

Auch bei Cubase handelt es sich um eine Musiksoftware. Sie kommt aus dem deutschen Hause Steinberg und existiert schon seit 1989. Seitdem sind viele neue Versionen der Software hinzugekommen. Cubase funktioniert einerseits als MIDI-Produktionssoftware – also ähnlich wie REASON. Andererseits kann man mit Cubase auch computerbasiert aufnehmen. So kann man beispielsweise ein Mikrofon in den Computer einstöpseln und seine Stimme aufnehmen. Cubase zählt zu den semi-professionellen bis professionellen Anwendungen. Man sollte also durchaus ein wenig Interesse an Musikproduktion mitbringen, um erfolgreich mit der Software umzugehen. Anders als beispielsweise bei REASON kann durch die Vielzahl der Optionen für Anfänger und solche Personen, die die Software nur zur Demo-Produktion verwenden wollen, von Zeit zu Zeit etwas Verwirrung entstehen. Andererseits sind nach erfolgter Einarbeitung sehr professionelle Ergebnisse möglich.

Mehr Informationen unter http://www.steinberg.net/de/products/cubase/

Pro Tools

Pro Tools gehört eindeutig zu den professionellen Produkten. Auch hier ist eine Einarbeitung nötig. Und auch hier sind sowohl MIDI basierte Produktionen, als auch reale Aufnahmen am Computer möglich.

Mehr Informationen unter
http://www.avid.com/de/products/family/pro-tools

PlugIns / VSti’s

Wir hatten es bereits unter Punkt 2.1 ein wenig angerissen. durch die MIDI Produktion ist es möglich, mit einem herkömmlichen Keyboard den Sound kompletter Orchester, Flügel oder Chöre am heimischen PC zu steuern. Dies ist möglich durch aufwändige Sample Technologien in Verbindung mit der Geschwindigkeit und Leistungsfähigkeit heutiger Computer. Während REASON auf ein softwareinternes Format, die so genannten Refills gesetzt hat, hat sich gleichzeitig aus einem Steinberg Standard, ein übergreifender Standard herausgebildet.

Die so genannten VSTi’s: Virtual Studio Technology Instruments. Diese Plugins lassen sich unter Cubase oder Pro Tools (und auch anderen Musiksoftware-Anwendungen) nutzen. Falls es sich hierbei für dich um Neuland handelt, hörst du dir am besten einmal auf den folgenden Websites einige Hörbeispiele an. Halte dir immer vor Augen, dass es sich hierbei nicht um “Loops” handelt. Die Sounds die du hörst, entstehen, weil jemand Tasten auf einem Keyboard drückt. Es ist also, als ob man am Klavier spielt und der Chor genau das singt, die Gitarre, der Flügel, die Violine, das Schlagzeug genau das spielt. du wirst begeistert sein.

Beispiele für aktuelle Plugins/ VSTi’s:
http://www.soundsonline-europe.com/ (Alle möglichen)
http://www.musiclab.com (Gitarre)
http://www.soundiron.com/instruments/choirs/venus/ (Chor)

Multitracker – Mobile Tonstudios

Normale Computer haben oft laute Lüfter und schlechte Soundkarten. Manchmal ist auch die Konfiguration so schlecht, dass es nur schwierig möglich ist, in Echtzeit eine reale Aufnahme über ein Mikrofon in guter Qualität zu machen. Die Verzögerung, die zwischen dem eingehenden Signal (also z.B. deinem Gesang) und der Verarbeitung am Computer, nennt man “Latenzzeit”.

Stell dir also vor, du singst, während der Computer zwei Sekunden benötigt, um deinen Gesang zu verarbeiten. Das Ergebnis wird sein, dass dein Gesang in der Aufnahme um 2 Sekunden verzögert ist. Zudem ist es schwierig, wenn du dich selbst beim Singen hören möchtest.

Hier bieten sich dann so genannte Multitracker an. Dabei handelt es sich um kleine, selbstständig funktionierende und meistens transportable Tonstudios. Sie erlauben einem die Aufnahme mehrerer Tonspuren nacheinander. Man kann also beispielsweise mit der Aufnahme einer Gitarre beginnen, anschließend einen Bass dazu spielen und schließlich eine oder mehrere Gesangsspuren aufnehmen.

Andererseits kann man auch am Computer über die MIDI Produktion ein so genanntes Instrumental – also quasi eine Karaoke Version des eigenen Songs – produzieren und diesen dann auf eine Stereotonspur im Multitracker legen. Anschließend kann man dann den Gesang im Multitracker aufnehmen.

Multitracker verfügen häufig bereits über integrierte Effekte, wie Hall und Echo und je nach Ausführung auch über weitere Features wie eine “Masterringssektion”, in der man dem Song den letzten Schliff geben kann und vieles weiteres mehr.

Das Tolle an Multitrackern ist, dass sie vor allem für Anfänger und Semiprofis gedacht sind und bereits nach sehr kurzer Einarbeitungsphase eine leichte Bedienbarkeit gewährleisten. Innerhalb des virtuellen Campus findest du eine kleine Auflistung an Multitrackern, die für Beginner geeignet sind.

Großmembranmikrofon mit Ploppschutz

Achten solltest du bei Aufnahmen, egal ob über den Multitracker oder über den Computer, darauf, dass du ein so genanntes Großmembranmikrofon verwendest. Großmembranmikrofone verfügen, wie der Name schon sagt, über eine große Membran.

Sie nehmen daher das aufzunehmende Signal besonders klar auf. Membranmikrofone sind die Mikrofone, die man meistens sieht, wenn ein Star im Tonstudio steht und seine Gesangsspuren aufnimmt. Man hält ein Membranmikrofon aufgrund seiner Empfindlichkeit nicht in der Hand, sondern hat es an einem Mikrofonständer befestigt.

Davor befindet sich meistens der so genannte Ploppschutz – manchmal auch als Poppschutz bezeichnet. Er verhindert, dass die so genannten Plosivlaute, wie P, T, K, usw. eine Druckwelle entstehen lassen, die die Aufnahmequalität negativ beeinträchtigt. Einige Beispiele für Großmembranmikrofone findest du im virtuellen Campus.

Phantomspeisung

Großmembranmikrofone funktionieren nur mit externer Stromzuführung. Dies geschieht über die so genannte Phantomspeisung. Das Mischpult liefert dabei die Energie. Es existieren auch Großmembranmikrofone, die mittels USB direkt am Computer angeschlossen werden können. Hier bezieht das Mikrofon seinen Strom mittels des USB Kabels aus dem Computer. Sofern du also über einen Multitracker aufnehmen willst, benötigt dieser die Fähigkeit zur Phantomspeisung. Falls du hingegen direkt mit einem PC aufnehmen möchtest, solltest du ein USB-Großmembranmikrofon wählen.

Line/Cinch

Die meisten Multitracker verfügen über einen Line-Eingang. Über diesen lässt sich beispielsweise ein Keyboard, eine Stereoanlage, ein MP3-Player, der Lineout-Ausgang eines Computers oder sonstige externe Soundquellen über sogenannte Cinch-Kabel anschließen.

Gitarre

Auch ein Gitarreneingang fehlt an kaum einem Multitracker. Er erhält seinen Zugang über ein so genanntes Klinkenkabel. Somit lassen sich E-Gitarren und auch manche Akustikgitarren (nämlich die mit einem elektrischen Tonabnehmer) direkt anschließen.

Mischung aus Midiproduktion und Multitracker

Wie bereits eingangs erwähnt, kann es von Vorteil sein, die MIDI Produktion und die Aufnahme über den Multitracker miteinander zu kombinieren. So kann man an einem Musikprogramm am PC, über eine MIDI Produktion mit beispielsweise REASON oder Cubase das Instrumental erzeugen und dieses dann mit dem Multitracker und einem Großmembranmikrofon um Gesang, Gitarren und andere echte Instrumente ergänzen.

Abschließend

In diesem Artikel haben wir gelernt, welche Wege es gibt, um ein gutes Demo aufzunehmen. Wir haben gesehen, dass es einerseits komfortabel ist, ein Tonstudio zu buchen – und auch die Resultate in den allermeisten fällen besser sind, als die Arbeit selbst zu machen. Allerdings ist das auf Dauer gesehen auch teurer. Konträr dazu besteht die Möglichkeit, bereits für wenig Geld ein Homestudio aufzubauen und die Fäden selbst in die Hand zu nehmen. Hierfür muss man sich allerdings etwas näher mit dem Thema Musikproduktion beschäftigen und dafür sowohl Passion als auch Talent haben. Beide Wege haben ihre Vor- und Nachteile. Welche bei dir überwiegen, ist individuell und liegt allein in deinem Ermessen.

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